Pedro Corona
Pedro als Mensch
Pedro Corona lebte in Köln-Deutz und arbeitete als Erzieher. Er hat viele Freund*innen, die ihn als offenen, hilfsbereiten Menschen beschreiben. Sein Partner Julian sprach bei der Demonstration am 30. August 2026 in Köln öffentlich über ihn.


Als es Pedro am 8. April 2026 psychisch schlecht ging, waren es seine Freund*innen, die gemeinsam mit seiner Mutter — telefonisch aus Venezuela — entschieden, den Rettungsdienst zu rufen. Sie wollten helfen. Dieser Hilferuf wurde zum Ausgangspunkt eines Einsatzes, der Pedros Leben für immer veränderte.

Pedros Mutter und seine Cousine reisten im April kurzfristig aus Venezuela an und lebten seitdem in seinem Apartment — dem Ort, an dem der Vorfall geschah. Im Oktober 2026 fanden sie eine eigene Wohnung.


Die Initiative Justice for Pedro sammelt Fotos, Videos und Erinnerungen von und mit Pedro, um ein möglichst vollständiges Bild von ihm zu zeigen. Pedro lebt heute mit schwersten Hirnschädigungen in einem Pflegeheim und kann nicht mit seiner Umwelt kommunizieren.

Geschichte & Dokumentation

Ein medizinischer Hilferuf. Ein 90-minütiger Polizeieinsatz. Ein Herz-Kreislauf-Stillstand. Pedro überlebt mit schwersten Hirnschädigungen.
Diese Dokumentation unterscheidet zwischen öffentlich berichteten Fakten, behördlichen Darstellungen, Aussagen von Zeug*innen, Angehörigen und der anwaltlichen Bewertung. Wo Aussagen einander widersprechen oder Unterlagen fehlen, wird dies ausdrücklich benannt. Sie basiert auf den öffentlich veröffentlichten Informationen der Initiative Justice for Pedro (justiceforpedro.de) sowie Presseberichten von WDR und ARD Monitor.
1. Auf einen Blick
- Name
- Pedro Corona · 30 Jahre · Erzieher (Pädagoge) aus Venezuela, ohne deutschen Pass
- Ort
- Köln-Deutz, in seiner Wohnung
- Datum
- 8. April 2026
- Anlass
- Psychische Krise; Freund*innen und Mutter riefen den Rettungsdienst
- Einsatz
- Ca. 90-minütiger Polizeieinsatz ohne unabhängige Zeugen; Fixierung in Bauchlage, zwei Spuckhauben, Zwangsmedikation mit Midazolam (nasal)
- Folge
- Herz-Kreislauf-Stillstand; laut zitiertem Klinikbericht schwere hypoxische Hirnschädigung mit vermutetem Zusammenhang zu Sauerstoffmangel unter Fixierungsmaßnahmen; 23 Minuten Reanimation laut bisheriger Dokumentation; Pedro lebt heute in einem Pflegeheim
- Verfahren
- Staatsanwaltschaft Köln lehnte Ermittlungen zunächst ab (Ende Mai 2026); nach Video-Veröffentlichung seit 29.07.2026 Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt gegen zwei Polizeibeamte und die Notärztin
- Anwalt
- Simón González fordert Ausweitung auf alle Beteiligten und Ermittlungen wegen versuchten Totschlags (Strafantrag/-anzeige vom 13.08.2026)
- Beweismittel
- Bodycam-Aufnahmen; selbst aufgenommenes Handyvideo Pedros (gefunden am 17.07.2026); Klinik-Entlassungsbrief
Stand der Dokumentation: 15. Oktober 2026 · Gesicherte Fakten, behördliche Darstellungen und Bewertungen der Initiative bzw. des Anwalts sind in den folgenden Abschnitten klar getrennt.
2. Chronologie — was am 8. April 2026 geschah
Der Einsatz
Am 8. April 2026 ging es Pedro psychisch nicht gut. Seine Freund*innen überlegten gemeinsam mit Pedros Mutter (am Telefon), ob ein Arztbesuch am nächsten Tag ausreichen würde. Aus Vorsicht riefen sie den Rettungsdienst.
Drei Sanitäter und anschließend eine Notärztin sprachen etwa eine Stunde mit Pedro. Nach Darstellung seiner Freund*innen war Pedro orientiert, ehrlich und höflich. Sein Wunsch, allein gelassen zu werden, sei ignoriert worden; die wiederholten gleichen Fragen hätten zur Eskalation beigetragen. Die Einsatzkräfte sahen keinen Anlass für eine Zwangseinweisung und verließen die Wohnung.
Einer seiner Freunde blieb in der Tür stehen — er wollte Pedro nicht alleine lassen. Pedro schubste ihn hinaus und schlug die Wohnungstür zu. Dieses Schubsen wertete die Notärztin als Fremdgefährdung und ordnete eine Zwangseinweisung an. Die Polizei wurde hinzugezogen. Pedros Freund*innen mussten die Wohnung verlassen.
Nachdem Pedro seine Wohnungstür geöffnet und mehrfach um ein Gespräch gebeten hatte, wurde er nach Darstellung der Initiative sofort überwältigt. Ein später veröffentlichtes Handyvideo zeigt, wie er mehrfach um Hilfe schreit. Es folgte ein 90-minütiger Polizeieinsatz ohne unabhängige Zeugen.
Bodycam-Aufnahmen zeigen nach den veröffentlichten Berichten, dass Polizeibeamte auf Pedros oberem Rücken knieten und ihn beleidigten. Pedro wurde in Bauchlage fixiert, erhielt zwei Spuckschutzhauben und nasal Midazolam. Midazolam kann die Atmung beeinträchtigen. Ob Indikation, Dosierung und Überwachung im konkreten Einsatz angemessen waren, bedarf einer unabhängigen medizinischen Prüfung. Er wurde hinuntergetragen und blieb dort etwa 20 Minuten liegen — weiterhin mit zwei Spuckhauben und in Bauchlage fixiert. Atmung und Vitalwerte wurden nach bisheriger Kenntnis nicht überwacht.
Kurz darauf erlitt Pedro einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Er musste 23 Minuten reanimiert werden. Seitdem ist Pedro nicht ansprechbar und kann nicht mit seiner Umwelt kommunizieren. Im Klinikbericht wird eine „schwere hypoxische Hirnschädigung nach außerklinischem Herz-Kreislaufstillstand (OHCA), a.e. bei Hypoxie unter Fixierungsmaßnahmen i.R. PsychKG» dokumentiert.
Zeittafel
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 08.04.2026 | Psychische Krise; Rettungsdienst wird gerufen; Polizeieinsatz mit Fixierung; Herz-Kreislauf-Stillstand; 23 Minuten Reanimation |
| Ende Mai 2026 | Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungen ab („keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte») |
| 21.06.2026 | Westpol-Report (WDR) über Pedro veröffentlicht |
| Ende Juni 2026 | Staatsanwaltschaft kündigt eine erneute Prüfung der Umstände an (Entlassungsbrief der Uniklinik, WDR-Bericht) |
| 17.07.2026 | Angehörige finden selbst aufgenommenes Video des Einsatzbeginns auf Pedros Handy |
| 29.07.2026 | Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein: Anfangsverdacht der Körperverletzung im Amt gegen zwei Polizeibeamte und die Notärztin |
| 13.08.2026 | Strafantrag/-anzeige von Pedros Anwalt Simón González: Ausweitung und Neubewertung der Ermittlungen |
| 27.08.2026 | Monitor-Reportage (ARD) zu umstrittenen Polizeieinsätzen, u.a. Pedro |
| 29.08.2026 | Petition „Unabhängige Betroffenenhilfe und Aufklärung nach Polizeigewalt» geht online |
| 30.08.2026 | Demonstration in Köln mit Redebeiträgen (u.a. Pedros Partner Julian) |
| 09.10.2026 | Pedros Mutter und Cousine finden eine eigene Wohnung |
3. Widersprüche
Die erste Polizeidarstellung
In der ersten Pressemitteilung der Polizei hieß es, Pedro habe schließlich das Bewusstsein verloren — eine Formulierung, die den Eindruck eines plötzlichen, nicht vorhersehbaren Zusammenbruchs entstehen lässt. Nach den inzwischen bekannten Informationen war Pedro jedoch zuvor über längere Zeit körperlich fixiert, gefesselt, mit zwei Spuckschutzhauben versehen und sediert worden. Die erste Pressemitteilung erwähnte den möglichen Zusammenhang mit den Fixierungsmaßnahmen nicht. Die Initiative Justice for Pedro hält die Darstellung deshalb für unvollständig und irreführend.
Das Handyvideo
Am 17. Juli 2026 fanden Angehörige auf Pedros Handy — das monatelang von der Polizei einbehalten worden war — ein von Pedro selbst aufgenommenes Video des Einsatzbeginns. Es zeigt die ersten Sekunden des Polizeieinsatzes in seiner Wohnung in Köln-Deutz: Pedro spricht durch den Türspion in ruhigem Ton mit den Beamten und fragt wiederholt, warum er die Tür öffnen soll — worauf er keine Antwort erhält. Nachdem ein Beamter den Türspion verdeckt, öffnet Pedro die Tür. Unmittelbar danach tritt ein Polizist ein; man hört Pedro „Hilfe! Gewalt!» rufen, bevor das Video endet.
Das Video widerspricht der bisherigen Darstellung der Polizei insofern, als Pedro zu Beginn nicht aggressiv oder gewalttätig erscheint, sondern nach dem Grund des Einsatzes fragt und eine Erklärung verlangt. Zudem spricht es dafür, dass er zunächst nicht wusste, dass eine zwangsweise psychiatrische Einweisung beabsichtigt war.
Falsche Chronologien in den Akten
Nach den Ausführungen von Pedros Anwalt Simón González zeigen die Bodycam-Zeitstempel Aufzeichnungen bereits vor dem in der Akte behaupteten offiziellen Einsatzbeginn. Während die offizielle Chronologie der Akte einen späteren Einsatzbeginn sowie eine durchweg unbedenkliche Fixierung behauptet, belegen die realen Bodycam-Zeitstempel eine Fixierung in Bauchlage von mindestens etwa 20 Minuten.
Die Drogen-Behauptung
Polizei und Staatsanwaltschaft stellten zunächst einen Zusammenhang mit Drogenkonsum her. Nach Angaben der Initiative hat das toxikologische Gutachten diesen behaupteten Drogenkonsum nicht bestätigt. Laut den medizinischen Befunden der Uniklinik ist der Sauerstoffmangel während der Fixierung die Ursache für den kritischen Zustand.
Warum wurden Vertrauenspersonen nicht einbezogen?
Lucas und Leonie sind enge Freund*innen von Pedro, kannten seinen Zustand und sprechen Spanisch. Nach Zeugenaussagen rief Pedro während des Einsatzes wiederholt nach Lucas. Trotzdem wurden beide nicht zu ihm gelassen und offenbar nicht gezielt in die Deeskalation einbezogen. Eine nachvollziehbare öffentliche Begründung dafür liegt bisher nicht vor.
Vertrauenspersonen können bei psychischen Krisen helfen, Angst zu reduzieren, Missverständnisse aufzuklären und eine Eskalation zu verhindern. Ob zumindest eine Kommunikation über die Tür, telefonisch oder unter kontrollierten Bedingungen möglich gewesen wäre, gehört zu den zentralen offenen Fragen.
4. Kritik und offene Fragen
Die Kombination lebensgefährlicher Maßnahmen
Im Zentrum der Kritik steht eine Kombination aus Maßnahmen, die nach Bewertung des Anwalts zu einer potenziell tödlichen Erstickungsgefahr führte:
- Minutenlange Fesselung in Bauchlage
- Zwangsweise Verabreichung des Beruhigungsmittels Midazolam (nasal)
- Gleichzeitiges Überziehen von zwei Spuckhauben
- Zusätzlicher Druck von oben auf den oberen Rücken — laut Bodycam-Aufnahmen knieten zwei Beamte direkt auf Pedros Rücken
Midazolam kann Bewusstsein, Schutzreflexe und Atmung beeinträchtigen. Ob Indikation, Dosierung und Überwachung im konkreten Einsatz angemessen waren, bedarf einer unabhängigen medizinischen Prüfung. Eine Spuckschutzhaube kann die Beobachtung von Mund, Nase, Hautfarbe und Atembewegungen erschweren. Eine Fixierung in Bauchlage kann die Atmung zusätzlich belasten. Atmung und Vitalwerte wurden nach bisheriger Kenntnis nicht überwacht.
Fragen, die bleiben
- Warum wurden Lucas und Leonie trotz ihrer Nähe zu Pedro und ihrer Sprachkenntnisse nicht in die Deeskalation einbezogen?
- Warum dauerte der Einsatz rund 90 Minuten — und welche Maßnahmen wurden in dieser Zeit jeweils durchgeführt?
- Wie lange wurde Pedro in Bauchlage fixiert und wann wurden die Spuckschutzhauben eingesetzt?
- Wie wurde seine Atmung kontrolliert — und welche medizinische Überwachung erfolgte nach der Gabe von Midazolam?
- Wann wurde erkannt, dass Pedro nicht mehr ausreichend atmete oder reanimationspflichtig war?
- Warum vergingen nach dem Erkennen der Reanimationspflicht noch etwa zwei Minuten, bis sämtliche Fixierungsmittel gelöst waren — angeblich weil erst passende Schlüssel gefunden werden mussten?
- Warum ermittelt die Staatsanwaltschaft nur wegen Körperverletzung im Amt und nur gegen zwei Polizeibeamte, obwohl deutlich mehr Einsatzkräfte beteiligt waren?
- Warum wurde zunächst kein Ermittlungsverfahren eingeleitet, und welche neuen Erkenntnisse führten später zur Aufnahme der Ermittlungen?
Rassismus-Frage
Ob rassistische Zuschreibungen die konkreten Entscheidungen während des Einsatzes beeinflusst haben, kann ohne unabhängige Untersuchung nicht abschließend beantwortet werden. Die Frage ist dennoch berechtigt: Pedro stammt aus Venezuela. Ob rassistische Zuschreibungen die Entscheidungen im Einsatz oder die spätere öffentliche Darstellung beeinflussten, bedarf unabhängiger Prüfung. Nach dem Einsatz wurde er öffentlich als aggressiv, drogenkonsumierend und gefährlich dargestellt — Zuschreibungen, die bekannten rassistischen Stereotypen entsprechen. Ob Herkunft, Hautfarbe oder Sprache die Behandlung Pedros und die spätere öffentliche Darstellung beeinflusst haben, muss Teil einer vollständigen Aufarbeitung sein.
Staatliche Verantwortung und Menschenrechte
Eine psychische Krise ist zunächst ein medizinischer und psychosozialer Notfall, keine Straftat. Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes verpflichtet staatliche Gewalt, die Menschenwürde zu achten und zu schützen. Artikel 2 Absatz 2 garantiert das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Zwang darf nur als letztes Mittel eingesetzt werden und muss auf das unbedingt erforderliche Maß begrenzt bleiben.
Das Minnesota-Protokoll der Vereinten Nationen beschreibt internationale Standards für die Untersuchung potenziell rechtswidriger Todesfälle und schwerer Menschenrechtsverletzungen: wirksame, gründliche, unabhängige, unparteiische und transparente Ermittlungen. Diese Grundsätze sind ein Maßstab für die öffentliche Diskussion über die Aufklärung der Umstände um Pedro Corona.
Welche Konsequenzen gefordert werden
- Eine unabhängige Kontrollstelle für Polizeigewalt, damit Betroffene und Angehörige nicht mehr allein um Aufklärung kämpfen müssen
- Ausweitung der Ermittlungen auf alle beteiligten Einsatzkräfte und das medizinische Personal
- Rechtliche Neubewertung der Umstände — Forderung des Anwalts: Ermittlungen wegen versuchten Totschlags
- Eine unabhängige Betroffenenhilfe — Aufklärung darf keine Glückssache sein, die von persönlichen Ressourcen abhängt
- Verankerung der erforschten Ergebnisse in der Ausbildung von Polizei und Rettungskräften
- Spezialisierte mobile Krisendienste und psychiatrisch geschulte Einsatzteams statt Polizei als erster Antwort auf psychische Krisen
Diese Forderungen sind die politische Position der Initiative Justice for Pedro und dieser Dokumentation — keine Wiedergabe einer gerichtlichen Entscheidung.
5. Ermittlungsstand
Erste Ablehnung, dann Neubewertung
Ende Mai 2026 teilte die Staatsanwaltschaft Köln dem WDR schriftlich mit, sie habe „nach Auswertung von Zeugenaussagen, schriftlichen Unterlagen und Videos der verwendeten Bodycams der Polizeibeamten» von der Aufnahme von Ermittlungen abgesehen, „da zureichende tatsächliche Anhaltspunkte — wie es die Strafprozessordnung verlangt — für strafbares Handeln oder Unterlassen der am Einsatz beteiligten Polizisten nicht vorlagen».
Nach dem Westpol-Report (21. Juni 2026) und dem Entlassungsbrief der Uniklinik kündigte die Staatsanwaltschaft Ende Juni an, die Umstände neu zu prüfen. Am 29. Juli 2026 — nach dem Fund des Handyvideos auf Pedros Telefon — leitete sie Ermittlungen ein: Es bestehe „im Hinblick auf einen Polizeibeamten sowie eine Polizeibeamtin der Anfangsverdacht der Körperverletzung im Amt, da das auf dem Video nachvollziehbare Geschehen Anlass zur Überprüfung der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme gibt».
Der Anwalt fordert Ausweitung
Am 13. August 2026 stellte Pedros Anwalt Simón González Strafantrag und Strafanzeige mit dem Ziel einer Ausweitung und Neubewertung der Ermittlungen. Konkret fordert er:
- Ermittlungen wegen versuchten Totschlags: Das Verfahren soll rechtlich neu eingestuft werden. Den ausgebildeten Beamt*innen und der Notärztin musste nach seiner Bewertung die akute Erstickungsgefahr bewusst sein; wer eine lebensgefährliche Behandlung fortsetzt oder duldet, nehme den Tod mindestens billigend in Kauf (Eventualvorsatz).
- Ermittlungen ausweiten: Die Strafanzeige richtet sich gegen alle beteiligten Polizeikräfte und das gesamte Rettungsteam — nicht nur gegen Einzelne. Videosequenzen der Bodycams belegten, dass mehrere Beamt*innen zusätzlichen Druck auf den gefesselten Pedro ausübten. Auch wer nur zusah oder die Überwachung der Vitalfunktionen unterließ, habe sich nach geltendem Recht strafbar gemacht (Mittäterschaft bzw. Verletzung der Garantenpflicht).
- Nebenklage: Beantragt wird die offizielle Beiordnung, um Pedro im Verfahren als Nebenkläger voll zu vertreten.
Kritisch verweist der Anwalt zudem darauf, dass die Staatsanwaltschaft sich an die Öffentlichkeit wandte, bevor das vorhandene Material gründlich geprüft worden war: Während sie die Beamten früh entlastete und den Geschädigten unter Berufung auf Beamtenaussagen und Bodycams diskreditierte, zeige eine detailgetreue Aktenkenntnis das genaue Gegenteil. Auf rund 250 Seiten Ermittlungsakten erhielt der Anwalt erst nach einem längeren juristischen Verfahren Zugang.
Der Schriftsatz mit der rechtlichen Neubewertung, den Strafanzeigen und der detaillierten Beweisauswertung liegt der Staatsanwaltschaft Köln offiziell vor. Über den Ausgang ist nach dem hier dokumentierten Stand nichts bekannt.
6. Solidarität und Engagement
Die Initiative Justice for Pedro
Freund*innen, Familie und Unterstützer*innen haben die Initiative Justice for Pedro gegründet. Sie informiert über die Umstände, sammelt Spenden für Pedros Familie und hält öffentlichen Druck für eine unabhängige Aufklärung aufrecht. Über den Instagram-Kanal der Initiative und des Anwalts werden laufend aktuelle Entwicklungen geteilt.
Petition
Am 29. August 2026 ging die Petition „Unabhängige Betroffenenhilfe und Aufklärung nach Polizeigewalt» online. Gefordert wird eine unabhängige Kontrollstelle, damit Opfer und Angehörige nicht mehr allein um Aufklärung kämpfen müssen: „Aufklärung darf keine Glückssache sein.» Neben der Betroffenenhilfe sollen die erforschten Ergebnisse fest in der Ausbildung von Polizei und Rettungskräften verankert werden.
Demonstration und Öffentlichkeit
Bei der Demonstration am 30. August 2026 in Köln kamen viele Menschen zusammen, um Aufklärung, Gerechtigkeit und Konsequenzen zu fordern. Es sprachen unter anderem Pedros Partner Julian, Dardaye Barry (die Schwester von Ibrahima Barry), Vertreter*innen von „Sicherheit für alle», dem Bundesverband Psychiatrie Erfahrener und dem Arbeitskreis Kritischer Jurist*innen — zudem gab es eine Vorlesung über Nejib Boubaker, dessen Geschichte auf dieser Website ebenfalls dokumentiert ist.
Die ARD-Reportage „Monitor» (27. August 2026) befasste sich mit umstrittenen Polizeieinsätzen — darunter die Geschichten von Pedro und von Ibrahima Barry. Die Recherche hinterfragt die Verhältnismäßigkeit der angewendeten Gewalt, rekonstruiert den Vorfall und kritisiert die schleppende juristische Aufarbeitung.
7. Dokumentation
Quellen, Berichterstattung und die Grenzen dieser Dokumentation — in aufklappbaren Bereichen.
Quellen und Dokumentation
Journalistische Berichterstattung
- WDR Westpol (21. Juni 2026): „Kölner Erzieher im Koma: Aufklärung nach Polizeieinsatz gefordert». Originalquelle öffnen
- WDR Westpol (Juni 2026): „Erstickungstod nach Polizeieinsätzen — warum in Bauchlage der Erstickungstod droht». Originalquelle öffnen
- WDR (29. Juni 2026): „Von Polizisten misshandelt? Anwalt des im Koma liegenden Erziehers fordert Strafverfahren» (Akteneinsicht). Originalquelle öffnen
- WDR (29. Juli 2026): „Pedro Corona: Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt». Originalquelle öffnen · tagesschau.de
- Kölner Stadt-Anzeiger / Rundschau (Juni–Juli 2026): „Staatsanwaltschaft prüft Polizeieinsatz in Köln-Deutz neu» und „Handyvideo wirft neue Fragen auf». Bericht 1 · Bericht 2
- ARD Monitor / tagesschau (27./28. August 2026): „Umstrittene Polizeieinsätze — Tot nach Fixierung?» (u.a. Pedro Corona und Ibrahima Barry). Originalquelle öffnen
- WDR (30. August 2026): „Demonstrierende fordern lückenlose Aufklärung des Polizeieinsatzes bei Pedro Corona». Originalquelle öffnen
- taz: „Mutmaßliche Polizeigewalt in Köln: ‚Pedro wurde wie ein Objekt behandelt’». Originalquelle öffnen
- StadtRevue Köln: „Wende im Fall Pedro». Originalquelle öffnen
- ANTENNE NRW (30. August 2026): „Justice for Pedro Corona: Köln fordert lückenlose Aufklärung». Originalquelle öffnen
Originalmaterial und Dokumente
- Handyvideo Pedros vom Einsatzbeginn (gefunden am 17.07.2026, von der Initiative veröffentlicht)
- Bodycam-Aufnahmen der Polizei (in Auszügen öffentlich)
- Klinikbericht der Uniklinik: „schwere hypoxische Hirnschädigung nach außerklinischem Herz-Kreislaufstillstand (OHCA), a.e. bei Hypoxie unter Fixierungsmaßnahmen i.R. PsychKG»
- Schreiben von Rechtsanwalt Simón González an die Staatsanwaltschaft Köln (13.08.2026), Auszüge in seinen öffentlichen Videos verlesen
- Erste Pressemitteilung der Polizei Köln zum Einsatz
- Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Köln an den WDR (Ende Mai 2026)
Rechtliche und internationale Grundlagen
- Grundgesetz, Artikel 1 Absatz 1 (Menschenwürde) und Artikel 2 Absatz 2 (Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit). Art. 1 GG · Art. 2 GG
- PsychKG NRW — Rechtsgrundlage der Zwangseinweisung.
- OHCHR (2017): The Minnesota Protocol on the Investigation of Potentially Unlawful Death (2016), HR/PUB/17/4. PDF
Weitere Informationen der Initiative
- Der Vorfall · Zeitleiste · Ermittlungen · Fragen & Antworten (justiceforpedro.de)
- Petition: „Justice for Pedro — Unabhängige Betroffenenhilfe und Aufklärung nach Polizeigewalt» (Campact)
Diese Seite basiert auf den öffentlich zugänglichen Informationen der Initiative Justice for Pedro sowie Presseberichten von WDR, ARD Monitor und Kölner Stadt-Anzeiger. Alle Angaben recherchiert am 12. Oktober 2026.
Grenzen der Dokumentation und offene Punkte
Dieser Dokumentation liegen nicht vor: die vollständige Ermittlungsakte (rund 250 Seiten, dem Anwalt nach längerem Verfahren zugänglich), die vollständigen Bodycam-Aufnahmen, das toxikologische Gutachten im Original, die Einsatzberichte und Funkprotokolle sowie eine unabhängige medizinische Begutachtung.
Behördliche Darstellungen (Polizeipressemitteilung, Stellungnahmen der Staatsanwaltschaft) und die Bewertungen der Initiative und des Anwalts sind in den Abschnitten jeweils als solche gekennzeichnet. Die Strafanzeige wegen versuchten Totschlags ist eine Forderung der anwaltlichen Vertretung — nicht der Stand des Verfahrens.
Pedro lebt. Diese Dokumentation ist keine Darstellung eines Todesfalls; das Minnesota-Protokoll wird als Orientierungsrahmen für die Untersuchung schwerer Menschenrechtsverletzungen im Amt herangezogen.
Stand der Dokumentation: 12. Oktober 2026. Ergänzungen erfolgen, wenn neue gesicherte Informationen vorliegen.